Wie kommen politische Themen in Theatertexte? Der isländische Regisseur Jón Páll Eyjólfsson, die türkische Schauspielerin und Autorin Ceren Ercan und der schwedische Autor Jonas Hassen Khemiri sprachen über die Entstehung ihrer Stücke. Während es in „Liebe Isländer“ um die Verarbeitung der Finanzkrise geht und sich die drei Frauen von „Hässliches Menschlein“ in einer Gesellschaft behaupten müssen, die sie ausstößt, versuchen die Figuren in „Wir sind hundert“, die Welt zu verändern. Ausgewählte Statements der Podiumsdiskussion „Wirkungsmöglichkeiten politischer Themen auf dem Theater“. (more…)
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Three files of "me". Scene from "We Who Are Hundred". Photo: Martin Kaufhold
They are standing on the edge of the abyss, each of them with different strengths and weaknesses, and yet they are one and the same person, the facets of humanity. They bicker and fight against each other, share laughs and memories and long to commit suicide together. However, the three women will never again feel as united as they do at the beginning of the play, as they face the end of their lives: “We can’t do it.” Disheartened, the women discard their knives, pistols, Kalashnikovs and explosives and are left to look at each other helplessly after yet another failed suicide attempt. Are we too cowardly or do we just need more time? Do we regret everything we’ve done in our lives or do we wish we could go back? A fresh start is the answer. One last chance.
“Who Am I, and If So, How Many?” This title of the best-selling book by popular scholar Richard David Precht is sure to pop into a few audience members’ heads in the course of this evening of theatre. Yet even those who do not have this association will ultimately be confronted with questions: What is my identity? (more…)
Das Stadttheater Göteborg bringt mit “Wir sind Hundert” gleich drei Versionen einer Frau auf die Bühne des Staatstheaters Mainz.

Ich-Stapelung: Frida Röhl, Anna Bjelkerud, Nina Jeppsson in "Wir sind Hundert", v.l.n.r. Foto: Martin Kaufhold
Sie stehen am Abgrund, sind sehr unterschiedlich in ihren Stärken und Schwächen, und doch sind sie eine Person, die Facetten eines Menschen. Sie streiten und kämpfen gegeneinander, lachen und erinnern gemeinsam, wollen sich zusammen umbringen. So einig wie zu Beginn des Stücks, wenn sie am Abgrund ihres Lebens stehen, werden die drei Frauen allerdings nie wieder sein: “Wir machen es nicht.” Die Frauen lassen Messer, Pistole, Kalaschnikow und Sprenggürtel enttäuscht fallen und sehen sich aufgrund des erneut gescheiterten Selbstmords ratlos an. Sind wir zu feige oder brauchen wir mehr Zeit? Bereuen wir alles, was wir unserem Leben gemacht haben oder sehnen wir uns zurück? Die Antwort ist ein Neuanfang. Eine letzte Chance. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Im einen oder anderen Zuschauerkopf ist im Laufe dieses Theaterabends sicher der Titel des populärwissenschaftlichen Bestsellerbuches von Philosoph Richard David Precht aufgetaucht. Und wenn nicht in Form dieser Assoziation, dann drängten sich die Fragen ganz unmittelbar auf: Welche Identität besitze ich? Sind es gar mehrere und welche wäre dann die stärkste? Welches Leben führe oder eher glaube ich zu führen? (more…)
Schwedens Theater spielen vor allem aktuelle Dramatik und engagieren sich für Jugendstücke. Ein Überblick über die Kulturpolitik eines skandinavischen Vorzeigelandes.
Neben dem Film- und Theaterregisseur Ingmar Bergmann, dem Dramatiker Lars Norén und der Choreografin Birgit Cullberg war es lange Zeit vor allem August Strindberg, der über die skandinavischen Grenzen hinaus bekannt war und dessen Stücke auf europäischen Bühnen inszeniert wurden. In den letzten Jahren gibt es allerdings, besonders auch in Deutschland, ein wachsendes Interesse an neuer schwedischer Dramatik von Autoren wie Jonas Hassen Khemiri, der mit seinem Stück “Wir sind Hundert” bei der Biennale vertreten ist. (more…)

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